Geburt unserer Tochter Yvonne

Bericht über eine Hausgeburt

Der Termin für die Geburt war eigentlich ( :-) der 13.Mai, und irgendwie hatte ich mich darauf eingestellt, noch 2 Wochen lang Zeit zu haben, um ein paar Dinge zu erledigen. Tagsüber habe ich noch Stoff für einen neuen Quilt zugeschnitten und freute mich darauf ihn zu nähen.

Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!

29. April: Gerade als wir uns zum Geburtsvorbereitungskurs aufmachen wollten, hatte ich einen Blasensprung - einen kleinen. Deutlich genug, um ihn zu spüren, aber nicht so, wie er mir klassischerweise beschrieben worden war. Also liessen wir den Kurs ebensolchen sein und riefen die Hebamme an. Dietlind kam bald darauf um mich zu untersuchen. Sie meinte, wir sollten uns gleich hinlegen um noch etwas Schlaf zu bekommen, ehe es losgeht. Sie liess mir homöopathische Mittel da, mit denen ich Wehen fördern könnte, falls ich wollte. Ich entschied mich erst noch zu schlafen und zu warten, ob die Wehen von selbst kommen, obwohl man bei einem Blasensprung wegen der Infektiosgefahr innerhalb von 24 Stunden entbinden sollte.....

30. April: frühe Morgenstunden - die Wehen setzen ein. Schwach aber regelmäßig alle 3 - 5 Minuten. Um 1.30 hat Hubert bei Dietlind angerufen, die ihn bat, nochmal anzurufen, wenn sich in einer weiteren Stunde nichts geändert hat. Also haben wir um 2.30 wieder angerufen - die Abstände hatten sich nicht geändert, aber die Intensität hatte zugenommen. Um 4.00 kam Dietlind, untersuchte mich als erstes und holte dann noch etwas von zu Hause. Ab 8.00 Uhr war sie ununterbrochen bis zur Geburt von Yvonne und noch gut 2 Stunden danach bei uns.
Den Vormittag verbrachte ich abwechselnd mit Wehen und 3-Minuten-Schlaf. Hubert versorgte mich mit Tee und allem, nach dem ich verlangte. Allerdings hatte ich nicht das Bedürfnis viel zu mir zu nehmen. Ab Mittag war ich wacher, unterhielt mich mit Dietlind über alles mögliche und Hubert konnte einkaufen und etwas relaxen. Gegen 15.00 kam Ulli, eine Freundin, die uns bei der Geburt helfen wollte. Sie kochte erst einmal eine leckere Suppe von der ich dann auch unbedingt 2 Schüsseln voll essen mußte - d.h. ich saß auf dem Pezziball (der mir bald zu unbequem wurde und ich erst einmal wieder ins Bett wechselte) und Ulli fütterte mich zwischen den Wehen.

Auf einmal hatte ich das Gefühl, es liegt was in der Luft. Der Blasensprung lag schon bald 21 Stunden zurück (das war etwa um 16.00) und ich merkte, daß Dietlind über eine Verlegung ins Krankenhaus nachdachte. Einerseits war da der der Blasensprung, andererseits spürte sie eine Fruchtblase vor dem Köpfchen unseres Kindes, die Herztöne waren gut und Fieber hatte ich auch keines. Die Entscheidung lautete: wir bleiben zu Hause!

Von allen Seiten hatte ich Gruselgeschichten über die Schmerzen bei der Geburt gehört - aber ich konnte nichts schlimmes finden. Ich wußte, daß es kein Spaziergang werden würde, aber so schlimm, wie es mir geschildert worden war, fand ich es nicht, obwohl es schon lange dauerte.

Dann der Blasensprung (22.00)! Ich lag im Fruchtwasser! Ich bin fürchterlich erschrocken, aber weiter schlimm war das nicht. Bald darauf steckte der kleine Kopf im Geburtskanal und ich wechselte vom Bett auf den Gebährstuhl. Der Muttermund weigerte sich noch sich vollständig zu öffnen, bis Dietlind mir ein unterstützendes Mittel gab. Hubert saß auf einem Stuhl hinter mir und versuchte mir in den Wehen so gut zu helfen, wie nur möglich. Die nächsten 4 Stunden vergingen wie im Flug - ich kann mich kaum daran erinnern. Ulli kühlte mir das Gesicht, Dietlind überprüfte ständig die Herztöne vom Kind und gab Anweisungen, die mir die Geburt erleichterten. Die letzten eineinhalb Stunden waren dann nochmal bewusste Arbeit: Pressen bis der Kopf geboren war und dann auf einmal nur noch 'liebevoll schieben'. Dabei half Dietlind unserem Nachwuchs sanft auf die Welt.

Im ersten Moment konnt ich garnicht sehen, ob wir nun ein Mädchen oder einen Jungen hatten - aber das klärte sich schnell. Ich hatte ja schon die ganze Zeit geahnt, daß es ein Mädchen würde!

Yvonne!

Sie hat am 1. Mai, genau um 3.33 Uhr, das elektrische Licht der Welt erblickt!

Hubert, Ulli und Dietlind räumten auf, bezogen das Bett frisch, machten es mir nochmal bequem und waren sicherlich so glücklich wie ich, daß alles gut gegangen ist. Dietlind machte gleich noch die U1 (Vorsorgeuntersuchtung) und füllte noch die nötigen Papiere fürs Standesamt aus, ehe sie unsere neue kleine Familie sich selbst überließ.

Die letzten 7 Tage habe ich dann genossen - zu Hause in Ruhe. Dietlind hat bisher täglich nach uns zweien gesehen (Nachsorge) und der Kinderarzt hat uns auch schon 3 Besuche abgestattet. Beim letzten Mal hat er dann die U2 gemacht, die zweite von neun Vorsorgeuntersuchungen. Ich kann mich ganz unserer Tochter widmen - kein Krankenhaustrott, der vorschreibt, wann ich schlafen darf und das Bett verlassen muß. Yvonne ist immer bei mir und wir hatten viel Ruhe, uns ans Stillen zu gewöhnen.

So stelle ich mir eine sanfte Geburt vor!


Yvonne hat aber selbst auch noch was zu sagen. Schaut doch mal auf ihrerer persönlichen Seite vorbei.


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Last modified: Tue Jul 16, 1996 ~ "fieb